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Hop Update August 2022

Hallo und Herzlich Willkommen zum BarthHaas HopUpdate im August! Neben dem aktuellen Pflanzenstand werden wir in diesem Monat auch einen besonderen Blick auf den Bio-Hopfenanbau werfen. Dazu besuchen wir den Bio-Betrieb der Familie Pichlmaier, der im Osten der Hallertau liegt. Wir werden einen Hopfengarten der Sorte Mandarina Bavaria besuchen, diese Sorte ist im Bio-Hopfenanbau weit verbreitet.

Nicht jede Hopfensorte ist für den Bio-Hopfenanbau geeignet. Gerade die Hochalphasorten, die im konventionellen Bereich große Bedeutung haben, werden im Bio-Anbau kaum kultiviert, weil sie einfach zu anfällig sind. Die Bio-Pflanzer sind sehr eingeschränkt hinsichtlich Pflanzenschutz und Düngung. Deshalb läuft die Sortenwahl im Bioanbau konsequent nach den Kriterien Nachhaltigkeit und Standortanpassung.

Wen wir den allgemeinen Zustand der Pflanzen betrachten, dann lässt sich sowohl über die konventionellen als auch über die biologischen Bestände leider das gleiche sagen und zwar, dass sie sich alle unterdurchschnittlich zeigen.
Insbesondere empfindliche Sorte, wie beispielsweise Halltertauer Tradition, Perle und Saphir haben am meisten gelitten. Die Hochalphasorten zeigen zwar einen kräftigeren Habitus als die sensiblen Sorten, dennoch werden geringere Gehalte an Alphasäure erwartet.
Die Entwicklungsstadien reichen über alle Sorten hinweg von BBCH 85 bis BBCH 89, das bedeutet fortgeschrittene Reife bis Pflückreife. Damit liegt die Vegetation insgesamt etwa eine Woche vor dem langjährigen Mittel. Das ist eine Tendenz, die sich bereits im Frühjahr abgezeichnet hat und bis heute anhält.

Bedingt ist dieser allgemein kritische Zustand der Pflanzen durch die anhaltende heiße und sehr trockene Witterung gepaart mit sehr starken Winden, welche die Bestände quasi ausgetrocknet haben wie ein Föhn.
Selbst bewässerte Standorte hatten mit den trockenen Winden und den vielen Hitzetagen stark zu kämpfen. Die Niederschlagsmengen waren auch im August weit unter dem langjährigen Mittel. Und besonders problematisch ist dabei, dass die Niederschläge nicht gut verteilt und flächendeckend auftreten, sondern immer häufiger als sehr lokale Starkniederschläge. Diese Niederschläge können dann vom Boden nicht aufgenommen werden in der kurzen Zeit und können auch zu Schäden an den Pflanzen führen, wenn sie als Hagel oder Sturm auftreten.

Derartig gestresste und geschwächte Bestände sind natürlich anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Typisch für heiße Jahre, ist dieses Jahr der Befallsdruck mit der Gemeinen Spinnmilbe. Sowohl in konventionellen als auch in den biologischen Beständen. In den konventionellen Betrieben waren auf Grund des starken Befalls mehrmalige Behandlungen mit chemischem Pflanzenschutz nötig. Leider steht ihnen nur eine begrenzte Zahl an zugelassenen Wirkstoff zur Verfügung und dieses Jahr herrschte sogar ein Mangel an produzierter Mittelmenge, sodass nicht alle Pflanzer ihren Bedarf decken konnten.
Die Biopflanzer haben Mittel, die speziell für den Bioanbau eine Zulassung haben. Diese Mittel haben eine rein befallsmindernde Wirkung. Das bedeutet für die Biopflanzer pauschale und präventive Spritzungen nicht das Mittel der Wahl. Entscheidend ist eine intensive und regelmäßige Bestandskontrolle, um dann den optimalen Einsatzzeitpunkt zu finden.
Eine erfolgreiche Behandlung der Spinnmilbe ist in bio nur möglich, wenn der optimale Einsatzzeitpunkt eingehalten wird.
Ein mittlerweile massives Problem ist der Erdfloh. Dieser ist in konventionell und bio flächendeckend zu finden und hat mittlerweile eine ertragsmindernde Population angenommen. Bereits im Frühjahr befällt er die frischen Triebspitzen, frisst sie ab und hemmt somit das Wachstum.
Erdflöhe fressen die Blätter teilweise bis auf die Blattadern ab und gehen dann auch auf die Dolden über. Die konventionellen Pflanzer haben keinen Wirkstoff, der für den jetzigen Einsatzzeitpunkt zugelassen wäre. Die Biopflanzer haben überhaupt kein probates biologisches Mittel, mit dem sie sich gegen den Schädling wehren könnten.

Pilzkrankheiten waren in diesem Jahr sehr gut zu kontrollieren, im Moment laufen die letzten Abschlussbehandlungen und dabei konzentriert man sich auf Mehltaubefall.

Insgesamt brauchte auch der August leider nicht die gewünschte Erholung für die Hopfenbestände. Die Herausforderungen dieses heißen und trockenen Jahres haben sich nur noch verstärk. Deshalb werden unterdurchschnittliche Erträge und Inhaltsstoffe erwartet. Nun steht die Ernte vor der Tür und zu dieser nehmen wir Sie in unserem nächsten HopUpdate im September mit. Bis dahin!

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