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Hopfenanbau divers betrachtet

Was im Wirtschaftsleben einen immer größeren Stellenwert einnimmt, ist im Hopfenanbau ein Risiko: gemeint sind Diversität, Equity und Inklusion, kurz DEI. Dabei bedeutet Diversität die Vielfalt der Mitglieder einer bestimmten Gruppe, beispielsweise die Angestellten eines Unternehmens. Sie bezieht sich auf identitätsstiftende Merkmale wie Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit und kann als Ressource genutzt werden, wenn eine inklusive Kultur (Inklusion) gelebt und durch Maßnahmen der Gleichstellung gefördert wird (auf Englisch „Equity“). Unternehmen versprechen sich von DEI mehr Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Attraktivität.

Nicht so im Hopfengarten: Männliche Pflanzen sind dort nicht nur ausgeschlossen, sondern werden regelrecht verfolgt und weit über die Anbauflächen hinaus verbannt. Das schreibt die seit 1956 gültige bayerische „Verordnung über die Bekämpfung des wilden Hopfens“ vor. Hopfenpflanzbetriebe bevorzugen weibliche Pflanzen. Nur diese bilden nach der Blüte die Ertrag bringenden Dolden aus, deren Lupulindrüsen die wertvollen Bitter- und Aromastoffe liefern. Männliche Hopfenpflanzen blühen lediglich. Ihre Gescheine – so heißen die Blütenstände – tragen Pollen, der zwar in der Zusammensetzung dem Lupulin ähnlich, aber mit geschätzten 0,1 Prozent Alphasäure für den Anbau irrelevant ist. 

Kommt noch hinzu, dass die weiblichen Pflanzen völlig autonom ausdolden. Sie bilden die kleinen grünen Zapfen mit und ohne Bestäubung. Doch auch die möchten die Anbaubetriebe unbedingt vermeiden. Befruchtete Dolden tragen kleine Samen unter den Blättern, haben eine bleiche Farbe, flattrige Erscheinung, zerfallen leicht und sind so auch anfälliger für Oxidation. Zu guter Letzt weisen befruchtete Dolden schlechtere Alphagehalte auf und bringen weniger Ertrag. Somit wäre eine Inklusion bezüglich der Produktivität nur abträglich. 

Männlicher Hopfen wird stattdessen wie ein Schädling, ein kriminelles Element, behandelt, das entweder vernichtet oder in Isolationshaft gehört! Letzteres geschieht auf einem Feld bei Freising, weit genug entfernt von der Hallertau und umgeben von Wald als natürlicher Pollenfilter. Dort erfährt der männliche Hopfen seine Rehabilitation für Züchtungszwecke. In den Kreuzungsplänen des Hopfenforschungszentrums Hüll werden männliche Pflanzen für Resistenz, Resilienz und kräftigen Wuchs eingezüchtet, während die weiblichen Pflanzen die Sortencharakteristik einbringen. Die Befruchtung findet selbstverständlich unter kontrollierten Bedingungen statt: Mitarbeiter des Zentrums bestäuben die Blüten mit dem Pollen unter einer schützenden Folie. Zu seiner Ehrenrettung leistet männlicher Hopfen hier doch noch einen wesentlichen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit.

Zwittrige Reben, die sowohl männliche als auch weibliche Blüten tragen, kommen in der Hopfenbotanik auch vor. Evolutionär häufiger treten sie unter den amerikanischen Neomexicanus-Wildhopfen auf, die sich im trockenen Klima des amerikanischen Südwestens angesiedelt haben. Aus der Züchtung mit Neomexicanus sind besonders widerstandsfähige und aromatische Sorten hervorgegangen. Auch hier: Vorsprung durch Diversität!

Trotz systematischer Ausgrenzungsbestrebungen kommen männliche und zwittrige Pflanzen im Anbau vor. Die Pflanzer müssen daher am Anfang der Blüte sehr genau hinschauen, um diese anhand ihrer Gescheine ausfindig zu machen und dann aus dem Garten zu eliminieren. Nicht zuletzt, um Qualitätsstandards einzuhalten: Nach EU-Verordnung 1850/2006 darf der Gewichtsanteil der Samen höchstens zwei Prozent betragen. Der deutsche Hopfenanbau liegt nach eigenen Angaben konstant darunter. Übrigens England ist anders. Dort kultivieren die Pflanzbetriebe Diversität und Inklusion geradezu. Jede siebte Rebe ist im englischen Hopfengarten Insidern zufolge männlich. Die britische Tradition baut darauf, dass die Befruchtung in der Rebe einen Reiz auslöst, der die Reifezeit verkürzt und die Resistenz steigert … und die Samen erhöhen das Gewicht und damit die Einnahmen, unken die Mitbewerber auf dem Kontinent. 

Da kann man mal sehen, wie divers sich Hopfenanbau gestaltet.

Ein Beitrag von

Marketing and Content Management Hops Academy

Sylvia Kopp

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