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Hopfen im Fokus - Juli 2026

Wissen für Ihren Erfolg

Wir durchforsten die Welt des Hopfens und des Bierbrauens, um Sie mit den neuesten Nachrichten und Forschungsergebnissen zu versorgen... damit Sie das nicht tun müssen!

Das Potenzial des Hopfens

Dieser interessante Übersichtsartikel über Hopfen (Humulus lupulus) befasst sich mit seinen vielfältigen bioaktiven Inhaltsstoffen, insbesondere Bitterstoffen und Xanthohumol, die nicht nur zum Aroma und Geschmack von Bier beitragen, sondern auch bedeutende gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzen. Hopfen hat eine lange Tradition in der medizinischen Anwendung, und moderne Forschung hebt seine antiseptischen, antikarzinogenen, thrombozytenaggregationshemmenden, antibakteriellen, entzündungshemmenden, sedierenden und verdauungsfördernden Wirkungen hervor. Für Bitterstoffe und Xanthohumol wurden in zahlreichen Studien schützende Effekte gegenüber chronischen Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas, Diabetes, Lebererkrankungen und sogar kognitivem Abbau gezeigt. Innovative Brautechniken wie das Dry Hopping können den Gehalt dieser vorteilhaften Verbindungen im Bier erhöhen. Darüber hinaus zeigt Xanthohumol eine starke antibakterielle und antithrombotische Aktivität, und beide Hauptkomponenten wirken auf zentrale molekulare Signalwege, die an Entzündung, Stoffwechsel und Zellüberleben beteiligt sind. Der Artikel betont den Bedarf an weiterer Forschung, insbesondere zur Bioverfügbarkeit, optimalen Dosierung und Sicherheit dieser Substanzen für therapeutische Anwendungen bei Menschen. 

Mengfei Lin, Diying Xiang, Xiaoyang Chen, and Heqiang Huo: Role of Characteristic Components of Humulus lupulus in Promoting Human Health Journal of Agricultural and Food Chemistry 2019 67 (30), 8291-8302 DOI: 10.1021/acs.jafc.9b03780

 

Reinschleichen

Diese Studie erweitert das übliche Verständnis von Hop Creep, nach dem aus dem Hopfen stammende  amylolytische Enzyme ausschließlich Dextrine hydrolysieren. Das Forschungsteam zeigt, dass Hopfen auch glykosidisch gebundene Zucker enthält, die an sekundäre Pflanzenmetabolite gebunden sind und durch enzymatische Hydrolyse freigesetzt und dadurch vergärbar werden können. Die Analyse von 16 kommerziellen Pellets zeigte nach Behandlung mit einem breit wirksamen Glucosidasepräparat einen deutlichen Anstieg an messbarer Glucose. T90-Pellets wiesen die höchsten Gesamtzuckerkonzentrationen auf, gefolgt von angereicherten Pellets, was darauf hindeutet, dass die Verarbeitung des Hopfens einen größeren Einfluss auf das Zuckerpotenzial hat als die Hopfensorte. Das bedeutet, dass Hopfen über zwei Mechanismen vergärbare Kohlenhydrate beitragen kann: durch enzymatischen Dextrinabbau und durch die Freisetzung zuvor gebundener Zucker. Diese zusätzlichen Zucker können der Hefe während des Dry Hoppings weiteres Substrat liefern und einen Teil der beobachteten Endvergärung sowie des Alkoholanstiegs im Zusammenhang mit Hop Creep erklären. Die Ergebnisse legen nahe, Hop Creep als mehrstufiges Phänomen zu betrachten und nicht ausschließlich als Folge des enzymatischen Dextrinabbaus. Aus Sicht der Prozesskontrolle ist das verwendete Hopfenprodukt ein wichtiger Faktor bei der Bewertung des Hop-Creep-Risikos. Brauereien, die mit stark kaltgehopften Bieren oder biologisch hergestellten alkoholfreien Bieren arbeiten, sollten besonders beachten, dass Hopfen mehr vergärbaren Extrakt einbringen kann als bisher angenommen … oder mit liquid hops arbeiten. 

Young, J., & Fox, G. (2026). Hidden Sugars in Hops: Enzymatic Hydrolysis of Plant Secondary Metabolites and Implications for Hop Creep. Journal of the American Society of Brewing Chemists, 84(2), 207–212. https://doi.org/10.1080/03610470.2026.2633690.

 

Freispruch für Maischealdehyde!

Diese Studie stellt die verbreitete Annahme infrage, dass während des Maischens vorhandene Aldehyde direkt zur Bildung von Alterungsaromen in gealtertem Bier beitragen. Das Forschungsteam erhöhte die Konzentration zentraler Alterungsaldehyde beim Einmaischen gezielt um das 3- bzw. 10-Fache, fand jedoch weder im frischen Bier noch in Bier, das 90 Tage bei 30 °C gelagert wurde, einen entsprechenden Anstieg der Aldehydkonzentrationen. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Brauprozesse diese Aldehyde wirksam entfernen oder umwandeln. Während der Würzeherstellung können Aldehyde verdampfen, an Feststoffe binden oder chemisch reagieren, während die Hefe viele Aldehyde während der Gärung weiter zu weniger aromawirksamen Alkoholen reduziert. Nach der Lagerung zeigten alle Biere den erwarteten Anstieg von Alterungsaldehyden wie Furfural, 2-Methylpropanal, 3-Methylbutanal und Phenylacetaldehyd, die Konzentrationen waren jedoch unabhängig davon ähnlich, wie viel Aldehyd ursprünglich während des Maischens zugesetzt worden war. Für Brauereien ist die praktische Schlussfolgerung klar: Die Beeinflussung freier Aldehydgehalte in der Maische ist voraussichtlich kein geeigneter Ansatz, um die Geschmacksstabilität zu verbessern. Stattdessen sollten sich Maßnahmen auf die Kontrolle von Aldehydvorstufen, die Minimierung des Sauerstoffeintrags, die Optimierung der Redoxbedingungen und eine gute Gärung konzentrieren.

Ditrych, M. ., De Sutter, W. ., De Rouck, G. ., Aerts, G. ., & Andersen, M. L. . (2026). Influence of high concentrations of aldehydes added at mashing-in on beer flavor stability: no evidence for direct contribution to aged beer aldehydes. BrewingScience, 79(5/6), 79-87. https://doi.org/10.23763/BrSc26-06ditrych 

 

Komplexe Bittere verstehen

Die IBU-Messung wird zunehmend zu einem unvollständigen Maß für die sensorisch wahrgenommene Bittere moderner kaltgehopfter Biere, insbesondere von NEIPAs und stark kaltgehopften IPAs. Die traditionelle IBU-Methode spiegelt in erster Linie Iso-α-Säuren wider, berücksichtigt jedoch oxidierte Hopfenharze oder aus Hopfen stammende Phenole, die wesentlich zu Bittere und Mundgefühl beitragen, nur unzureichend. Die Autoren stellten fest, dass stark kaltgehopfte Biere große Mengen an Hopfenphenolen enthielten, mit Konzentrationen von bis zu 159 mg/l, die häufig den Konzentrationen von Humulinonen und Iso-α-Säuren entsprachen oder diese sogar übertrafen. Diese Phenole stellen daher einen erheblichen, bislang unterschätzten Beitrag zur Bitterwahrnehmung dar. Eine zentrale Einschränkung der IBU-Analyse besteht darin, dass sie für konventionell gehopfte Biere entwickelt wurde. Sie misst die UV-Absorption geht davon aus, dass Bittere hauptsächlich aus Iso-α-Säuren stammt. Verbindungen wie Humulinone und bestimmte oxidierte Harzprodukte tragen jedoch mit unterschiedlichen sensorischen Qualitäten zur Bittere bei und werden durch die Methode nicht ausreichend differenziert. Die Studie zeigte, dass NEIPAs durch niedrigere Iso-α-Säure-Gehalte, aber deutlich höhere Konzentrationen an Humulinonen, oxidierten Hopfenharzen, Flavonolglykosiden, Catechinen und Procyanidinen gekennzeichnet sind. Dadurch können zwei Biere mit ähnlichen IBU-Werten eine sehr unterschiedliche Bitterintensität und Bitterqualität aufweisen. Für die Braupraxis sollte Bittere daher als Zusammenspiel von Iso-α-Säuren, oxidierten Hopfenharzen und Hopfenphenolen verstanden werden und nicht allein über IBU-Werte beschrieben werden. 

Calvert, D., Hopfer, H., & Kwasniewski, M. (2026). Beyond International Bitterness Units: Chemical Profiling of Hop Phenolics in Dry-Hopped Beers Associated with Bitterness and Astringency. Journal of the American Society of Brewing Chemists, 84(2), 190–206. https://doi.org/10.1080/03610470.2026.2626112 

Ein Beitrag von

Product and Education Expert

Dr. Christina Schönberger

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